Zisterne zur Enteisenung geeignet?

MoBohrt
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Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#1

Beitrag von MoBohrt »

Hallo zusammen,

wir haben uns vor ca. 6 Jahren einen 4" Brunnen bohren lassen, der weiterhin toll funktioniert und ausreichend Wasser für unsere Bewässerung fördert. Der Brunnen ist (ich meine) 22m tief, ganz unten eine Kappe, dann 1m geschlossenes Rohr, dann 4m Filterrohr. Soweit alles toll.

Das einzige was uns nun (mit zwei Kindern) zunehmend ärgert ist, dass das geförderte Wasser recht eisenhaltig ist. Laut Wasseranalyse haben wir folgende Ergebnisse:

Gesamt Eisen: 2,8 mg/L
Eisen gelöst: 2,6 mg/L
Mangan gelöst: 0,63 mg/L
Trübung: 42 NTU
PH-Wert: 6,9
Härte: 14dh

Ich habe mich immer mal wieder bei ein paar Herstellern eingelesen (LFS Cleantec, weitere), so richtig überzeugt bin ich nicht - zumal unsere möglichen Aufstellorte im Schuppen schon recht beengt sind.

Wir haben nun im Herbst größere Erdarbeiten im Garten vor der Brust (in unserer Wirtschaftsecke) und mein Gedankengang war bzw. ist, mit einer Zisterne zu arbeiten.

Wenn ich es richtig im Kopf habe, dann würde das im Wasser enthaltene Eisen bei einer Art "Verieselung" in einer unterirdischen Zisterne gelöst werden und sich dann unten am Boden der Zisterne ansammeln. Wenn ich dann eine Tauchpumpe deutlich oberhalb des Bodens montiere, sodass diese den Eisenschlamm nicht ansaugt, dann müsst ich doch "sauberes" Wasser weiterpumpen können, oder?

Es tut dann eigentlich das gleiche wie heute auf meiner Terrasse bzw. meiner Pflasterung, nur halt in der Zisterne.

Ist sowas grob denkbar?
Zum Verbrauch im Sommer: Wir bewässern ca. 1x pro Woche unsere Rasenflächen, dort haben wir dann eine Entnahme von ca. 2m² - 3m³ in einem Zuge. Die anderen Verbraucher (Beete, Gewächshäuser, Hochbeete) sind unkritisch und würden weiterhin direkt vom Brunnen versorgt werden.

Wir haben eine große PV-Anlage und Storm wäre im Sommer immer ausreichend vorhanden, sofern das ganze sinnvoll ist könnte ich das auch dauerhaft belüften oder so?

Ich finde es schon beeindruckend, wie schwierig es ist das Eisen aus dem Wasser zu bekommen.

Gibt es Meinungen dazu?
Ich bin kein Prepper, aber es wäre natürlich schön das ganze so auszulegen, dass danach Wasser entnommen werden kann, was der Trinkwasserqualität nahe kommt.

Danke und Gruß,
Moritz
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Eriberto
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Re: Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#2

Beitrag von Eriberto »

Hallo Moritz,

ich habe mich - zum Glück - bei mir mit dem Eisen-Thema noch nicht beschäftigen müssen, aber folgende Idee:
ich nutze für meinen Teich für die Umwälzung einen Luftheber mit einer 'energiesparenden' Membranluftpumpe. Diese verbraucht bei ca. 3.000 Liter Förderleistung (Luft)/Stunde ca. 30 Watt.

Ich würde es an deiner Stelle mit folgender Konfiguration probieren:
Zisterne mit Belüftung mittels Membranpumpe und schwimmender Entnahme.
Die Belüftung hätte mit Sicherheit weitere Vorteile, z.B. keine Faulschlammbildung - wenn Positionierung an der tiefsten Stelle und, wie ich meine einen ähnlichen Effekt wie z.B. eine Verrieselung.
Dieser beruht ja darauf, dass durch einen ausgeprägten Luftkontakt das Eisen oxidiert und ausfällt.
Ich verwende die Koi Pro 50 und Koi Pro 100 (3.000 und 6.000 Liter (Luft)/Stunde - 30 bis 88 Watt) und für beide gibt es günstige Reparatursets, da die Membranen Verschleißteile sind. Dazu dann entweder Belüftersteine (ein paar sind bei den Pumpen dabei) oder - wahrscheinlich besser - Belüfterschlauch oder Belüfterstangen aus dem Koi-Bereich. Ebenfalls möglich Tellerbelüfter, wie sie auch z.B. im Kläranlagenbereich (und in meinem Luftheber) verwendet werden.

Eventuell würden sogar noch kleinere Pumpen (mit geringerem Stromverbrauch) aus dem Aquarienbereich in Betracht kommen...

Der Invest für die Luftpumpe (Koi Pro 100) liegt um die €200,- und die Betriebskosten halten sich auch in Grenzen.

Mal schauen, ob noch Andere Ideen einbringen...
Gruß
Florian
MoBohrt
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Re: Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#3

Beitrag von MoBohrt »

Hallo Eriberto,

Danke dir erstmal für deine Rückmeldung. Ja, dass was du schreibst, geht ja schon sehr stark in die gleiche Richtung.
Ich würde mich freuen wenn noch andere Foristen etwas schreiben, wobei ich glaube, dass das die technisch beste Lösung sein wird mit den geringsten Betriebskosten.
MoBohrt
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Re: Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#4

Beitrag von MoBohrt »

Moin,

leider keine weiteren Rückmeldungen.
@plunschmeiser darf ich dich einmal anpingen?

Ich habe mich noch einmal etwas in das Thema der unterirdischen Enteisenung eingelesen, bin mir aber nicht sicher, ob ich dabei auf dem Holzweg bin.

Meine Idee wäre folgende:

1.) Oberirdisch stelle ich einen 1-m³-Wassertank auf, in den ich Brunnenwasser pumpe.
2.) Das Wasser wird über Düsen bzw. eine möglichst intensive Belüftung eingebracht, sodass es viel Kontakt mit Sauerstoff bekommt.
3.) Anschließend bleibt das Wasser einige Stunden im Tank stehen. Ein möglichst großer Teil des Eisens oxidiert dabei und setzt sich als Eisenocker unten ab.
4.) Abends bzw. nachts führe ich einen Teil des Wassers wieder in denselben Brunnen zurück. Beispielsweise ca. 0,7 m³, während die unteren ca. 30 cm des Tanks als Schlammsumpf unangetastet bleiben.
5.) Das zurückgeführte Wasser ist dann bereits weitgehend enteisent, enthält aber weiterhin viel gelösten Sauerstoff. Dieses Wasser soll sich über die Filterstrecke im umgebenden Grundwasserleiter verteilen und dort eine oxidierende Reaktionszone aufbauen.
6.) Beim späteren Fördern strömt eisenhaltiges Grundwasser aus dem umgebenden Aquifer in Richtung Brunnen. Auf dem Weg durch diese oxidierte Zone soll Fe²⁺ zu schwer löslichen Eisenverbindungen oxidieren und im Boden gebunden werden, sodass möglichst eisenarmes Wasser den Brunnen bzw. die Pumpe erreicht.
7.) Mit wiederholter Durchführung sollte sich diese Aufbereitungszone um den Brunnen herum nach und nach vergrößern bzw. stabilisieren.

Die Hoffnung wäre also, zwei Effekte zu kombinieren:

a.) einen Teil des Eisens bereits oberirdisch im Tank abzutrennen, damit ich den Brunnen nicht von innen auf der Filterstrecke verockere und
b.) mit dem sauerstoffreichen Rücklaufwasser die eigentliche unterirdische Enteisenung bzw. eventuell auch Entmanganung aufzubauen.

Ist dieser Gedankengang grundsätzlich richtig, oder übersehe ich dabei einen entscheidenden Punkt – insbesondere hinsichtlich Verockerung von Pumpe/Brunnenfilter und sinnvoller Rücklaufgeschwindigkeit?

Danke,
Moritz
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Eriberto
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Re: Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#5

Beitrag von Eriberto »

Hallo Moritz.

Sollte das so funktionieren, was ich stark bezweifele, könntest du auch gleich den Boden belüften.

So lange du das Wasser nicht unter Hochdruck in den Untergrund gepresst bekommst, dürfte der Sauerstoffanteil nicht wesentlich höher sein, als beim Ausgangswasser.
Stichwort: Partialdruck.
Und wer sagt denn, dass bei einer solchen Pump-Aktion nicht noch mehr Eisen in Lösung geht, du sozusagen den Untergrund 'auswäschst'?

Insofern bleibe ich bei meiner Empfehlung, welche du ja auch vorab (vor Errichtung einer Zisterne) z.B. in einem IBC testen könntest. Eine kleine Aquarien-Luftpumpe gibt es auch schon deutlich günstiger, als meine genannten Modelle.
Das dürfte als Proof-of-Concept machbar sein...
Gruß
Florian
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Eriberto
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Re: Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#6

Beitrag von Eriberto »

Weitere Idee: ich sprach ja von meinem Teich, den ich nicht missen möchte.
Könnte das auch eine Option für dich sein? Wasser im Garten? Natürlich nicht nur so eine kleine Teichschale, sondern einen 'richtigen' Teich.
Denn dann könntest du dein Gießwasser aus dem Teich entnehmen und dieses aus dem Brunnen nachfüllen.
So hätte das Wasser neben einer längeren Verweildauer (Zeit zum ausfällen) noch den Verdünnungseffekt.

Wenn man einen Teich als reinen Naturteich (ohne Fische) angelegt, hat man auch kaum Arbeit damit. Wobei mein Teich Moderlieschen, Bitterlinge und Edelkrebse und eine Menge weiteres Getier und Pflanzen enthält und auch kaum Arbeit macht.

Nur so als weitere Idee von mir.
Gruß
Florian
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Thoralf
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Re: Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#7

Beitrag von Thoralf »

Das unterirdische einleiten von Sauerstoff zum Enteisen ist in DVGW Arbeitsblatt W 223-3 Enteisenung und Entmanganung; Teil 3: Planung und Betrieb von Anlagen zur unterirdischen Aufbereitung geregelt.
Das Arbeitsblatt gilt für die unterirdische Enteisenung und Entmanganung bei der zentralen Aufbereitung von Grundwasser zu Trinkwasser in Anlagen aller Größen. Es kann sinngemäß auch auf dezentrale Anlagen angewendet werden.
(...)
Ein entscheidendes Kriterium für die Anwendbarkeit des Verfahrens ist die Konzentration an leicht oxidierbaren Substanzen im Wasser, die Sauerstoff zehren und damit in direkter Konkurrenz zur Enteisenung und Entmanganung stehen. In diesem Zusammenhang sind vor allem Huminstoffe, z. B. von fossilem Holz, Braunkohle oder Torf stammend, sowie Sulfide und Methan zu nennen.
Anwendungsgrenzen bestehen bei ungünstigen pH-Redox-Verhältnissen des Grundwassers, beispielsweise bei pH-Werten unter 6 und schlechter Pufferungskapazität des Wassers. Die Oxidationsprozesse einiger Wasserinhaltsstoffe können dann aufgrund zu geringer pH-Werte und zu geringer Redoxspannung nicht stattfinden. Grundwasserleiter mit geringer Ober- bzw. Adsorptionsfläche der Bodenmatrix, z. B. stark klüftige Aquifere, können den Erfolg der unterirdischen Enteisenung und Entmanganung ebenfalls einschränken.
(...)
Ich fand bei der Google-Siuche das Fermanox-Verfahren. https://fermanox.de/das-fermanox-wasser ... verfahren/ Ich weiß nicht(und habe auch nicht tiefergehend gesucht), ob es weitere Anbieter gibt.

Ich vermute, dass Dir Dein Umweltamt keine Genehmigung für eine nicht zertifizierte Eigenaulösung erteilen wird erteilen würde, jedenfalls nicht für einen Eigenbau und ohne Nachweis der geeigneten Randbedingungen.

LG
Thoralf
Der Elektroingenieur in mir meint: "Wasser braucht Strom" 8-)
Meine Projekte gibt es auch in meinem Blog:
https://blende-acht.blogspot.com/search/label/Brunnen
https://blende-acht.blogspot.com/search/label/Pumpe
MoBohrt
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Re: Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#8

Beitrag von MoBohrt »

Moin,

danke euch beiden.

Ich finde das Verfahren der unterirdischen Enteisenung inzwischen ziemlich interessant. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beschreibt das Prinzip ja im Grunde genauso, wie es auch bei FERMANOX dargestellt wird.

https://www.lwk-niedersachsen.de/lwk/ne ... nteisenung
→ dort „Unterirdische Enteisenung im Brunnen“

Wenn ich das chemisch und hydraulisch richtig verstanden habe, verlagert man den störenden Prozess im Prinzip in den Grundwasserleiter bzw. in die umgebenden Bodenschichten.

Das Brunnenwasser wird mit Sauerstoff angereichert und wieder in den Brunnen zurückgeführt. Über die Filterstrecke gelangt es in den umgebenden Aquifer und bildet dort nach und nach eine oxidierte bzw. aufbereitete Reaktionszone.

Beim späteren Fördern strömt dann wieder eisenhaltiges Grundwasser von außen in Richtung Brunnen. Dieses Wasser muss auf dem Weg zur Pumpe durch die zuvor oxidierte Zone hindurch. Dort wird Fe²⁺ oxidiert und an den Oberflächen des Bodenmaterials bzw. an bereits gebildeten Eisenoxiden gebunden.

Die Kernfrage ist für mich weiterhin, wie vermieden wird, dass die Oxidation direkt im Brunnenrohr bzw. unmittelbar an Pumpe und Filterstrecke stattfindet und dort zu Verockerung führt. Oder ist das einfach vernachlässigbar? Es ist ja "immer" ein bisschen Sauerstoff im Wasser, das muss also eigentlich auch schon in den vergangenen 7 Jahren passiert sein.

Meine Vermutung ist, dass hier vor allem die Hydraulik und das Mengenverhältnis eine Rolle spielen:

Wenn beispielsweise 500–1.000l sauerstoffreiches Wasser zurückgeführt werden, ist das eigentliche Wasservolumen innerhalb einer 4"-Filterstrecke von z. B. 2 m Länge dagegen sehr klein. Das zurückgeführte Wasser verbleibt also nicht einfach im Brunnenrohr, sondern wird über die Filterstrecke in den umgebenden Aquifer gedrückt bzw. infiltriert.

Dadurch sollte sich die eigentliche Reaktionszone überwiegend außerhalb des Brunnenrohres befinden.

Vereinfacht stelle ich mir das ungefähr so vor:

Brunnen/Pumpe
→ relativ eisenarme Zone
→ oxidierte Reaktionszone
→ Übergangszone
→ unbehandeltes eisenhaltiges Grundwasser

Bei der Infiltration fließt das Wasser vom Brunnen nach außen.
Bei der späteren Förderung kehrt sich die Strömungsrichtung um und das Rohgrundwasser muss wieder durch diese aufbereitete Zone hindurch.

Wäre diese Vorstellung grundsätzlich korrekt?

Ich überlege gerade, das Ganze testweise im kleinen Maßstab aufzubauen: Brunnenwasser oberirdisch intensiv belüften, einen Teil des Eisens vorher ausfallen und sedimentieren lassen und anschließend das sauerstoffreiche Klarwasser wieder in den Brunnen zurückführen.

Messen und prüfen.
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Thoralf
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Re: Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#9

Beitrag von Thoralf »

Moin!

Aus rechtlichen Gründen kann ich hier nicht das komplette DVGW-Arbeitsblatt posten. Das kannst Du unter https://www.dvgw-regelwerk.de/ kaufen (kostet allerdings wohl so irgendwas um 80 EUR.

Noch ein paar Zitate daraus:
Verfahren
Anwendungsgrenzen bestehen bei ungünstigen pH-Redox-Verhältnissen des Grundwassers, beispielsweise bei pH-Werten unter 6 und schlechter Pufferungskapazität des Wassers. Die Oxidationsprozesse einiger Wasserinhaltsstoffe können dann aufgrund zu geringer pH-Werte und zu geringer Redoxspannung nicht stattfinden. Grundwasserleiter mit geringer Ober- bzw. Adsorptionsfläche der Bodenmatrix, z. B. stark klüftige Aquifere, können den Erfolg der unterirdischen Enteisenung und Entmanganung ebenfalls einschränken.

Sauerstoff zehrende Stoffe, die in direkter Konkurrenz zur Enteisenung und Entmanganung stehen, sind Ausschlusskriterien (u.a. Huminstoffe, z. B. von fossilem Holz, Braunkohle oder Torf stammend, sowie Sulfide und Methan).

Wie die oberirdischen Verfahren zur Entfernung von im Wasser gelösten Eisen(II)- und Mangan(II)-Ionen beruht auch die unterirdische Enteisenung und Entmanganung auf der Oxidation und der anschließenden Abtrennung dieser Wasserinhaltsstoffe.
Unterschied: anstelle einer oberirdischen Anlage wird der Grundwasserleiter selbst als Reaktionsraum und Filter genutzt. Ein Teil des entnommenen Grundwassers wird oberirdisch mit Sauerstoff angereichert und anschließend in den Aquifer reinfiltriert.
Für einen kontinuierlichen Förderbetrieb werden mindestens zwei Brunnen im Wechsel betrieben. (...) Wird die unterirdische Enteisenung und Entmanganung mit nur einem Brunnen betrieben, so ist ein ausreichend dimensionierter Wasserbehälter für die Bereitstellung des sauerstoffreichen Infiltrationswassers erforderlich.

Durch die Einleitung von sauerstoffreichem Wasser wird das reduzierte Grundwasser verdrängt. In der Umgebung der Filterstrecke des Infiltrationsbrunnens wird so die Redoxspannung erhöht und es bildet sich ein Reaktionsraum aus, in dem neben den rein chemischen Eisen(II)- bzw. Mangan(II)-Oxidationsprozessen sowie den Adsorptionsvorgängen von gelöstem Eisen(II) und Mangan(II) an der Bodenmatrix und an bereits vorhandenen Oxidationsprodukten mikrobiologische Aufbereitungsprozesse stattfinden, die denen der oberirdischen Eisen(II)- und Mangan(II)-Filtration entsprechen.

Nach Einarbeitung der unterirdischen Aufbereitung kann nach der jeweiligen Infiltrationsphase eines Brunnens ein Vielfaches der eingeleiteten Wassermenge als aufbereitetes Wasser gefördert werden.

Zwischen Einleitung und Förderung muss eine kurze Pause liegen.
Brunnenausbau
Um die unterirdische Enteisenung und Entmanganung erfolgreich anwenden zu können, ist ein geeigneter Brunnenausbau von wesentlicher Bedeutung (siehe DVGW W 123). Der Brunnen sollte möglichst über eine einzige Filterstrecke geeigneter Länge verfügen, um sicherzustellen, dass bei den verfahrensbedingten Fließrichtungswechseln im Untergrund die gleichen Schichten angesprochen werden und eine geeignete Filteraustritts- und Filtereintrittsgeschwindigkeit des Wassers von etwa 5 m/h bis 10 m/h erreicht wird. (Anm.: Falls die Frage kommt: dort steht tatsächlich m/h, nicht m³/h)

Das Infiltrationswasser kann, falls erforderlich, über die Förderleitung bzw. Steigleitung des Brunnens in den Aquifer eingeleitet werden. Hierzu ist bei Verwendung einer Unterwasserpumpe sicherzustellen, dass das Rückschlagventil außer Betrieb gesetzt ist. Vorzugsweise sind jedoch getrennte Förder- und Infiltrationsleitungen vorzusehen, wobei die Infiltrationsleitung oberhalb der Unterwasserpumpe enden sollte.
Sauerstoffanreicherung
Zur Sauerstoffanreicherung des Infiltrationswassers eignen sich prinzipiell alle Verfahren zum Eintrag von Luftsauerstoff in Wasser, die ein weitgehendes Erreichen des Sauerstoff-Sättigungswertes im Infiltrationswasser sicherstellen, ohne das Wasser in den calcitabscheidenden Bereich zu bringen. Eine technisch einfache Lösung ist die Sauerstoffanreicherung nach dem Injektorprinzip. Eine Druckbegasung mit technischem Sauerstoff stellt eine weitere Möglichkeit der Sauerstoffanreicherung des Infiltrationswassers dar. Durch diese Methode können Sauerstoffkonzentrationen, die um mehr als das Vierfache über dem Sättigungswert bei Atmosphärendruck liegen, erreicht werden. Dies kann bei hohen Konzentrationen sauerstoffzehrender Wasserinhaltsstoffe notwendig sein.

Entgasungsbehälter
Der Entgasungsbehälter hat die Funktion, den Austritt ungelöster Gase aus dem Infiltrationswasser zu ermöglichen. In der Regel ist hierfür eine Aufenthaltszeit des Infiltrationswassers von drei Minuten bis fünf Minuten ausreichend.
Physikalisch-chemische Aufbereitungsmechanismen
Der unterirdische Reaktionsraum (Oxidationszone) entsteht durch die Einleitung von sauerstoffreichem Wasser in den Aquifer und der dadurch bedingten Verdrängung des sauerstoffarmen (reduzierten) Grundwassers in der Umgebung des Brunnenfilters. Es kommt zu einer lokalen Erhöhung der Redoxspannung. Das Volumen VR der Oxidationszone hängt in erster Näherung von der Menge des Infiltrationswassers VINF und dem durchflusswirksamen Porenvolumen nf des Aquifers ab.

Form und Ausdehnung der Oxidationszone sind von der Länge des Brunnenfilters und den hydrogeologischen Eigenschaften des Grundwasserleiters abhängig. Aufgrund der natürlichen Inhomogenität und Anisotropie eines Grundwasserleiters weicht in der Realität die Form der Oxidationszone von der Modellvorstellung als zylindrischer Raum um den Brunnenfilter stark ab.
(...)

In der Infiltrationsphase wird das eisen- und manganhaltige Grundwasser durch sauerstoffreiches Wasser verdrängt. Der Sauerstoff erreicht beim Durchströmen der Poren des Grundwasserleiters die an den Bodenkornoberflächen adsorbierten Eisen(II)- und Mangan(II)-Ionen und oxidiert sie zu schwer löslichen Oxidhydraten. Außerdem wird Sauerstoff adsorbiert, der zu Beginn der Förderphase noch zur Oxidation zur Verfügung steht. In der fortgeschrittenen Förderphase dominiert die Adsorption von Eisen(II) und Mangan(II).

Auf der Bodenmatrix lagern sich mit der Zeit Eisen- und Manganoxidhydrate ab. Diese besitzen neben einer hohen Adsorptionskapazität gegenüber Eisen(II)- und Mangan(II)-Ionen und weiteren Schwermetall-Ionen auch eine katalytische Wirkung auf die Eisen- und Manganoxidation. Mikrobiologische Prozesse spielen dabei eine wesentliche Rolle (siehe DVGW-Arbeitsblatt W 223-1).

Im Vergleich zu konventionellen Schnellfilteranlagen ist die Aufenthaltszeit des Wassers im Reaktionsraum der unterirdischen Aufbereitung wesentlich länger. Dies bedeutet, dass für die chemischphysikalischen und biologischen Aufbereitungsmechanismen eine erheblich längere Reaktionszeit zur Verfügung steht. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass im Schnellfilter stets die gleiche Fließrichtung der Wasserphase durch die Matrix vorhanden ist. Dagegen wechselt bei der unterirdischen Aufbereitung die Fließrichtung durch die Nutzung der Brunnen zur Förderung und Infiltration, und es besteht ein Gradient der Fließgeschwindigkeit zwischen brunnennahen und brunnenfernen Bereichen. Darüber hinaus herrschen bei der Schnellfiltration vorwiegend aerobe Milieubedingungen während bei der unterirdischen Aufbereitung ein periodischer Wechsel der Redoxbedingungen auftritt.

Auch bei langjährig in Betrieb befindlichen Anlagen wurde weder eine Verblockung des Grundwasserleiters mit Reaktionsprodukten noch eine Abnahme der Aufbereitungsleistung beobachtet. Im Gegensatz zu oberirdischen Filteranlagen besteht bei der unterirdischen Aufbereitung die Möglichkeit einer Ausdehnung des Reaktionsraumes. Bei einer lokalen Verringerung des durchflusswirksamen Porenraums dehnt sich zwangsläufig der Reaktionsraum aus. Durch Alterung der Oxidhydrate vermindert sich zudem ihr Volumen.
Voruntersuchungen
Da der Aufbau des unterirdischen Reaktionsraumes nicht beeinflusst werden kann, sind intensive Voruntersuchungen zu den geologischen und hydrochemischen Randbedingungen durchzuführen. Weiterhin wird dringend empfohlen, die Eignung des Brunnenstandortes durch einen Aufbereitungsversuch im halbtechnischen Maßstab nachzuweisen. Dieser Feldversuch liefert wichtige Hinweise für die Planung, insbesondere über die zu erwartende Einarbeitungszeit sowie den Ergiebigkeitskoeffizienten und damit über die zu erwartende Leistungsfähigkeit der großtechnischen Anlage. Der Ergiebigkeitskoeffizient ist das Verhältnis zwischen Förder- und Infiltrationsvolumen. Er kann in Abhängigkeit von der Grundwasserleiterbeschaffenheit, der Rohwasserqualität und der Betriebsweise der unterirdischen Enteisenung und Entmanganung Werte zwischen 2 und 12 erreichen.
(Mich wundert immer noch, dass das einfach so gemacht werden darf. )

LG und HTH
Thoralf
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Eriberto
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Re: Zisterne zur Enteisenung geeignet?

#10

Beitrag von Eriberto »

Moin,

also Thoralfs Ausführungen lesen sich für mich nicht gerade so, als wenn man das unter den gegebenen Bedingungen Mal eben auch nur ansatzweise nachstellen könnte. Alleine die 'Druckluft-Betankung' würde wohl schon einen recht ordentlichen Kompressor (Leistung, Lautstärke und Strombedarf) erfordern.
Ferner die Ausschlusskriterien (Huminstoffe, Sulfide und Methan) müssten vorab zumindest ausgeschlossen werden.

Ganz schön viel Aber...
Gruß
Florian
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